Dosenfibel Gotland, Bronze

Art.Nr.:607001
Preis
149,00 EUR
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Unsere Gotländische Dosenfibel

Von Gotland stammen rund 850 Exemplare von Dosenfibeln, wenn man auch Funde von Einzelteilen hinzurechnet. Als dekorativer Bestandteil der Frauentracht diente sie zum Verschließen eines schwereren Mantels im Halsbereich. Unser Exemplar ist eine Dosenfibel vom Typ 7, der etwa 50 Exemplare umfasst. Die Dosenfibel ist zweiteilig mit separatem Boden gefertigt, wobei die Bodenplatte (Modell Thoke Fischer) ebenfalls sehr aufwendig mit Fabelwesen im älteren Runenstein-Stil verziert ist. Die Dosenfibel wurde in Handarbeit aus massiver Bronze gegossen und dezent patiniert, um die Dekorationen hervorzuheben. Der Durchmesser unserer gotländischen Dosenfibel liegt etwa bei 60 mm, die Höhe bei etwa 50 mm, das Gewicht bei gut 200 Gramm.
Die aufwändig verzierte Nadel ist anhand der Originalvorlagen separat gefertigt und ausgeschmiedet, um die volle Funktion wie zur Wikingerzeit zu gewährleisten. 

Die Wikingertracht Gotlands und ihre Fibeln

Im Gegensatz zum übrigen Skandinavien besaß Gotland eine eigenständige Trachtkultur mit besonderen Schmuck- und Fibelformen. Während an anderen Orten häufig Kombinationen aus Oval- und Kleeblattfibeln anzutreffen sind, bevorzugte man auf Gotland sogenannte Tierkopf- und Dosenfibeln. Dabei übernehmen die kleineren Tierkopffibeln die Funktion der Oval- oder Schildkrötfibeln, die oft in paariger Trageweise die Träger eines Schürzenkleides hielten. Die prunkvolle Dosenfibel findet sich in reicheren Gräbern zentral im Halsbereich, wo sie als einzelne "Solitärfibel" wohl zum Schließen eines dickeren Mantels verwendet wurde.

Fibel-Ensemble mit Tierkopffibeln und Dosenfibel im Museum Visby, Gotland

Fundlage eines Fibel-Ensembles mit Tierkopffibeln und Dosenfibel im Museum Visby, Gotland


Insgesamt wurden auf Gotland rund 1750 Tierkopffibeln entdeckt, von denen rund 120 aus gut dokumentierten Skelettgräbern stammen. Etwas mehr als die Hälfte besaß mehr als eine Fibel, die meisten Bestattungen besaßen ein paar Tierkopffibeln und daneben eine dritte Fibel. Dies war in den meisten Fällen eine Dosenfibel, es konnte sich dabei aber auch um eine Tierkopffibel eines anderen Typs oder eine Bügelscheibenfibel handeln. Die Fundlage der Tierkopffibeln varriert dabei zwischen der Höhe der Schlüsselbeine bis hinunter zur Höhe des Ellenbogens, wobei die Tierkopffibeln in den meisten Fällen wohl auf Höhe der Oberarmmitte getragen wurden. Die Schmalseite der Fibel zeigt dabei in den meisten Fällen schräg nach außen/oben. Die Dosenfibel lag dabei meist auf dem Hals, in wenigen Ausnahmefällen im Bereich der Taille oder auf dem Bauch.

Die besondere wikingerzeitliche Tracht Gotlands hat ihre Ursprünge schon in der Vendelzeit zwischen 550 und 800 v. Chr. Der ältere Typus der Solitärfibeln ist dabei die prunkvolle Bügelscheibenfibel als zentrales Schmuckstück der Frauentracht. Diese Prachtfibeln waren zum Beginn der Wikingerzeit nicht selten mit aufwändigen Goldblecheinlagen und Edelsteinen verziert. Schon während der späten Vendelzeit erscheinen die ebenfalls sehr dekorativen Dosenfibeln, die in ihrer Form an die aufgesetzte Bügelscheibe der Bügelscheibenfibeln erinnert. Im Laufe der Wikingerzeit verschwinden die Bügelscheibenfibeln ganz, und auch der Charakter der Dosenfibel verändert sich von der Prunkfibel hin zur einfachen Gebrauchsfibel. Die Tierkopffibeln hingegen sind grundlegend eher als reine Gebrauchsfibeln anzusprechen, auch wenn einige wenige Exemplare aus Silber oder mit Vergoldung entsprechend kostspielig gearbeitet waren.

Neben dem eigentlichen Zweck zum Verschließen der Kleidung erfüllten viele Fibeln noch weitere Funktionen. Bei Tierkopffibeln sind auf den Bodenplatten häufig paarig angeordnete Löcher zu finden, die eine Verbindung der Fibeln durch eine Kettenkonstruktion nahelegen. In den Gräbern sind solche Ketten jedoch nur selten nachzuweisen, was eventuell auch auf die Bestattungssitten zurückzuführen ist.
Hin und wieder wurden einzelne Tierkopffibeln auch mit Geräteketten ausgestattet, an denen Amulette, Schlüssel und andere Gegenstände befestigt waren.
Sowohl Tierkopf- als auch Dosenfibeln eigenen sich darüber hinaus sehr gut als Behältnisse. In einigen Fällen konnten Münzen, Wolle, Fäden und organische Substanzen innerhalb der Fibeln nachgewiesen werden. Sowohl praktische Zwecke, als auch unheilabwehrende Substanzen und "Zauberkräuter" sind dabei denkbar.

 

Literatur:

Lena Thunmark-Nylen. Die Wikingerzeit Gotlands, Band I bis IV, Stockholm
 

Bewertungen:

TEXT_OF_5_STARSAutor: Dorothea am 13.12.2016

Rezension:

Ein ganz besonderes, wunderschönes Stück. Nur wenn man nicht die richtige Tracht hat - ich trage meine archäologischen Schmuckstücke meistens im Alltag - ist diese Fibel nicht echt praktisch... aber einfach schön, um sie sich daran zu erfreuen.

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