Militärgürtel komplett, Bronze

Art.Nr.:487001
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Der römische Soldat unterscheidet sich vom Zivilisten durch eine besondere Tracht, die ihn auch ohne Rüstung und Schwert kennzeichnet. Während aus zivilem Kontext kaum Metallbeschläge von Gürteln nachweisbar sind, findet man im Zusammenhang mit römischem Militär oft prunkvolle Gürtelplatten und Schnallen, die als Standes- und Statussymbol zu verstehen sind. Wie auch die Fibeln ist der Metallschmuck der Militärgürtel einer wechselnden Mode unterworfen.
Traditionell wird der Militärgürtel als "cingulum militare" bezeichnet, jedoch ist dieser Begriff nicht vor dem 3. Jahrhundert überliefert. Frühere Quellen bezeichnen den prunkvollen Gürtel als "balteus militare", wobei der Begriff "Balteus" später auf den Schwertriemen übertragen wird.
Anhand von Grabsteinen lässt sich der Wandel der Mode plastisch nachvollziehen. Im frühen 1. Jahrhundert werden die Soldaten mit zwei separaten Gürteln dargestellt, die sich wie die Pistolengurte von Cowboys überkreuzen. An einem der Gürtel wurde das Schwert (gladius) befestigt, an dem anderen der reich verzierte Dolch (pugio). Diese frühen Platten sind meist recht schmal und können entweder unverziert oder mit schwarzen Niello-Einlagen dekoriert sein. Vor allem florale oder geometrische Motive sind in der frühen Kaiserzeit sehr beliebt, aber auch plastische und figürliche Platten wurden zeitgleich verwendet.
Im Laufe des 1. Jahrhunderts kommen zunehmend Platten in Mode, die im Zentrum mit konzentrischen Ringen verziert sind, die entweder mitgegossen oder mit Stempeln geprägt wurden. Zeitgleich verändert sich auch die Bewaffnung, der ältere Gladius-Typ Mainz mit geschwungenen Schneiden wird durch ein neues Modell mit geraden Schneiden ersetzt, der sogenannte Typ "Pompeji". Dieser wird auch nicht mehr am Gürtel getragen, sondern ist an einem schmaleren Schulterriemen befestigt. Der doppelte Militärgürtel mit schmalen Platten kommt aus der Mode und wird durch einen breiteren, einzeln getragenen Gürtel ersetzt, an dem der Pugio mit speziellen Halterungen befestigt wird. Leider gibt es nur wenige komplette Funde, jedoch scheint der Gürtel nicht immer vollständig mit Platten besetzt gewesen zu sein.

Spätestens in trajanischer Zeit findet eine neue einschneidende Veränderung statt. Obwohl die Fundlage im frühen 2. Jahrhundert sehr dünn ist, scheinen nun wieder schmalere Platten den Geschmack der Zeit zu treffen. Diese sind regelmäßig mit bunten Emaille-Einlagen verziert, wie sie auch auf den zeitgleichen Fibeln zunehmend beliebt werden. Ein Pugio scheint nun nicht mehr zur Ausstattung der Soldaten zu gehören.

Mitte des 2. Jahrhunderts tritt eine Phase ein, die gemeinhin als "antoninische Revolution" bezeichnet wird. Ab der Herrschaftszeit von Antoninus Pius verändert sich die Ausrüstung der Soldaten grundlegend. In Verbindung mit neuen Anforderungen, insbesondere bei den Hilfstruppen, die zur Grenzsicherung eingesetzt werden, ist der Wegfall des für den Formationskampf geeigneten kurzen Gladius´ zugunsten des längeren Hiebschwertes, der Spatha, zu sehen. Zunächst bleiben schmale Gürtel mit Durchbruchsmustern oder aktueller Trompetenornamentik in Gebrauch, doch gegen Ende des 2. Jahrhunderts entstehen vollständig neue Schnallentypen wie Ringschnallen oder Rahmenschnallen.

Der Lederriemen, auf dem die Platten befestigt wurden, ist noch ein Gegenstand heftiger Kontroversen. Während aus Stabilitätsgründen (der Riemen trägt bei Kettenpanzern einen Teil des Gewichts) die Verwendung von dickeren Materialien wie Rindsleder plausibel wäre, finden sich auf Statuen Hinweise auf Ziernähte, die indirekt auf mehrschichtige Konstruktionen, beispielsweise aus dünnerem Ziegenleder hinweisen könnten. Mangels archäologischer Dokumentationen gibt es hier keine allgemein gültige Antwort.

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Vollständiger Beschlagsatz eines römischen Militärgürtels (cingulum oder balteus) mit einfachen Beschlagplatten. Der Schnallenbügel ist eine Abformung eines Originals aus dem Museum Dieburg, die dazugehörigen Platten wurden nach einem Original aus Vindonissa, Kat. Nr. 1109, der Größe entsprechend rekonstruiert.
Der archäologische Fundbestand in Vindonissa zeigt, dass rund 1/3 der Gürtelbeche aus einfachsten Materialien hergestellt wurden und nahezu keine Verzierungen tragen. Im heutigen Reenactment-Bereich wird leider den prunkvollen Varianten oft der Vorzug gegeben, einfache Beschläge wie diese sind unterrepräsentiert. Gerade für Auxiliareinheiten bieten sich diese Stücke an, aber auch bei den Legionen waren sie weit verbreitet. Eine exakte Datierung ist aufgrund der fehlenden Stilelemente bei Einzelfunden recht schwierig, in jedem Fall erfreuten sie sich über einen langen Zeitraum hinweg einer großen Beliebtheit.

Die Befestigung erfolgt ohne Nieten und kann daher mit einfachem Werkzeug selbst vorgenommen werden. Auf der Rückseite sind pilzförmige Knöpfchen angegossen, die in das gelochte und geschlitzte Leder eingedrückt werden. Das ist zwar nicht originalgetreu, aber von der Schauseite her nicht zu sehen. Auf diese Weise lassen sich die Platten auch nach langer Zeit noch einfach ummontieren. Die Größe der Schnalle liegt bei ca. 87x40mm, die Platten sind ca. 53 x 30mm groß. Der Satz besteht aus 1 Schnalle, 10 Platten und 2 Pugioaufhängungen mit separaten Platten. Für Lederriemen von mindestens 30mm Breite, handgefertigt aus echter Bronze. Auf Wunsch auch in Messing erhältlich.

Literatur:
Chr. Unz & E. Deschler-Erb, Katalog der Militaria von Vindonissa, Brugg 1997

Bewertungen:

TEXT_OF_5_STARSAutor: Rene am 13.03.2018

Rezension:

Nachtrag zu meiner vorherigen Rezension: Herr Neidhardt hat mir einen wertvollen Tipp gegeben, wie die Befestigung auch bei dickerem Leder zuverlässig und stabil gelingt. Das Leder muss zunächst gelocht und die Löcher ein wenig eingeschlitzt werden. Anschließend wird das Leder mit einem Schraubenzieher unter den Pilzknopf gehebelt. Dabei wird zwar das Leder ein wenig in Mitleidenschaft gezogen, da es aber nur die Rückseite betrifft, ist das kein Problem. Insofern revidiere ich meine vorherige Bewertung und gebe nun 5 Sterne.

TEXT_OF_5_STARSAutor: Rene am 11.03.2018

Rezension:

Ich habe kürzlich dieses Beschlagplatten-Set gekauft, um ein zweites Cingulum für meine Zenturionen-Darstellung anzufertigen. Warum vergebe ich nur 2 Sterne? Um es vorwegzunehmen, die Qualität der Beschlagplatten hat 5 Sterne verdient. Leider ist das aber bei der Befestigungsmethode mithilfe der angegossenen, pilzförmigen Knöpfe auf der Rückseite nicht der Fall. Um es schlicht zu sagen, die vorgeschlagene Methode selbige einfach durch das gelochte und geschlitzte Leder zu drücken funktioniert besentfalls bei sehr dünnem und weichen Leder, welches aber kaum für ein Cingulum, das auch einiges aushalten sollte, geeignet wäre. Bei dickerem Leder (3-4 mm) müsste man das Loch bzw. den Schlitz so groß bzw. weit anlegen, dass ein stablier Halt kaum gewährleistet wäre. Gerade die Beschlagplatten der Gürtelschnalle und der Pugiohalter sind doch etwas höheren Belastungen ausgesetzt (der Gürtel wird ja recht eng geschnürt, um gerade bei Hamata-Trägern die Schultern zu entlasten). Dabei würden die Knöpfe der Gürtelschnallen-Beschlagplatte beim Festziehen aus den Löchern springen. Auch die Beschlagplatten der Pugiohalter würden bei dieser Beefstigungsmethode kaum das Gewicht eines Gladius tragen können (welches ja bis Anfang des 1. Jhdt. n. Chr. noch am Gürtel getragen wurde), erst recht nicht in einer (Schau)Kampfsituation. So habe ich jetzt ein Beschlagplatten-Set herumliegen und keine Ahnung, wie ich es auf einem stabilem Lederriemen robust befestigen soll. Statt der pilzförmigen Knöpfe wäre es vielleicht besser gewesen hier simple Nietstifte an die Beschlagplatten anzugießen und bronzene Unterlegscheiben zum rückwärtigen Vernieten mitzuliefern.

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